Gift- oder Heilpflanzen, die Dosis macht’s

Nicht nur die moderne Pharmazie hält hochgiftige Stoffe bereit, um damit beispielsweise Pestizide herzustellen. Auch in der Natur Europas kommen Pflanzen und Tiere vor, die Giftstoffe produzieren. Wer sich für Naturheilkunde interessiert, muss auch über Giftpflanzen Bescheid wissen, denn diese Gifte der Pflanzen können tödlich sein, in der richtigen Dosierung aber ebenso heilen.

Der Bürger beziehungsweise die Bürgerin in Europa hat in Bezug auf giftige Tiere und Pflanzen nicht allzu viel zu befürchten. Da haben es Strandbesucher der Pazifikküste Nordaustraliens schon viel schwerer. In diesen Gewässern lebt das giftigste Tier der Welt, die Seewespe. Das Gift einer einzigen dieser Quallenart würde ausreichen, um rund 200 Menschen zu töten.

Bei den Pflanzen ist das giftigste Gewächs ein Baum, der in den Tropen und Subtropen des amerikanischen Doppelkontinents vorkommt, aber nicht in Europa. Er wurde von den spanischen Konquistadoren verniedlichend Manzanilla de la muerte benannt. Der vorwiegend an Sandstränden wachsende Baum ist jedoch alles andere als niedlich. Schon der Aufenthalt unter oder in der Nähe des Baumes kann gefährlich sein. Der Milchsaft im Stamm und in den Ästen tritt bei Regen aus und verätzt die Haut. Es gibt regelmäßig Ohnmachtsanfälle von Personen, die unwissend unter einem „Baum der tödlichen Äpfelchen“ standen. Wer die Früchte, die tatsächlich kleinen Äpfeln ähnlich sehen, isst, darf mit seinem oder ihrem kurzfristigen Ableben rechnen. Selbst das Verbrennen des Baumes ist gefährlich, denn der dabei entstehende Rauch führt zu vorübergehender Blindheit. Auf der anderen Seite wird der Saft des Baumes gegen die Syphilis genutzt, die Blätter gegen Lähmungen und Schuppenflechte und selbst die tödliche Frucht, richtig dosiert, besitzt eine harntreibende Wirkung.

Giftpflanzen in Europa

Auch in Europa gibt es einige Pflanzen, die sich durch ihren hohen Giftgehalt auszeichnen. So etwa der blaue Eisenhut, dessen Bestandteile schon im Mittelalter als Gift in Getränken und Speisen, aber auch als Pfeilgift Verwendung fanden. Schon die Einnahme von 2 Gramm des blauen Eisenhutes führt zum Tod durch Atemlähmung. In der Naturheilkunde, vorwiegend in der traditionellen chinesischen Medizin, werden aus dem blauen Eisenhut Mittel gegen Rheuma, Ödeme, Durchfall und Erkältung zubereitet, wobei es wahrscheinlich besser ist, die Erkältung einfach abklingen zu lassen.

Obwohl der blaue Eisenhut weltweit in gemäßigten, mittleren Lagen anzutreffen ist, stellt er doch eine Ausnahme dar. Ganz im Gegensatz zur Hundspetersilie, ein Unkraut, das praktisch überall zu finden ist. Die Hundspetersilie ist nicht ganz so giftig wie der blaue Eisenhut, sie besitzt dafür ein dichteres Siedlungsgebiet. Glücklicherweise befindet sich der Hauptteil des Giftstoffes in der Wurzel. Aber auch die Blätter können so giftig sein, das nach ihrer Einnahme der Tod durch Atemlähmung eintreten kann. In der Naturheilkunde wurde die Hundspetersilie früher als Beruhigungsmittel, aber auch gegen Gallensteine verwendet. In der modernen Homöopathie werden die Inhaltsstoffe der Hundspetersilie bei Konzentrationsstörungen oder gegen heftiges Erbrechen eingesetzt.

Die Tollkirsche - Gift, Naturheilmittel und moderne Medizin

Eine sehr interessante Pflanze in Bezug auf Gift ist die Tollkirsche. Kinder, die auf dem Land aufwachsen, werden seit Generationen davor gewarnt, die glänzenden schwarzen Früchte der Pflanze zu essen, die durchaus Ähnlichkeiten mit Kirschen aufweisen. In Ihnen findet sich das Gift Atropin, das bei Kindern schon in einer Menge von 10 mg tödlich sein kann. Atropin ist aber auch eine medizinische Substanz mit einem breiten Wirkspektrum. So wurde Atropin bis vor kurzem noch zur Reanimation bei Kreislaufstillstand eingesetzt. In der Augenheilkunde dient Atropin dazu, die Augen für eine Untersuchung oder eine Operation zu betäuben. Ähnlich verhält es sich mit Beruhigungsspritzen vor größeren Operationen mit Vollnarkose. Auch diese enthalten Atropin. Es kommt ebenso als Gegenmittel bei Vergiftungen mit Insektiziden oder Nervenkampfstoffen zum Einsatz.

Die Liste der mehr oder weniger giftigen Pflanzen ist lang und die meisten besitzen sowohl ihre guten wie ihre schlechten Seiten. Ähnlich wie der Mensch.

Februar 2019




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