Spinat – Popeys Doping

Er zählte lange Jahre zu den populärsten Comicfiguren der westlichen Welt, der kauzige Seemann Popey. Im Jahr 1929 entsprang er der Feder des Zeichners Elzie Crisler Segar. Als Markenzeichen verpasste Segar seinem Matrosen eine Pfeife, gewaltige Unterarme mit einem Anker-Tattoo und als Proviant eine stets bereite Dose Spinat, die vorzugsweise von Popey durch Zusammenquetschen geöffnet wurde.

Popey besaß einen durchaus beträchtlichen Anteil an der Verbreitung des Spinats als sehr gesundes Lebensmittel, im Besonderen durch seinen angeblich überdurchschnittlich hohen Eisengehalt. Dieser Glaube beruhte jedoch auf einer falschen Zuordnung. Der Mediziner Gustav von Bunge stellte im Jahr 1890 fest, das in 100 g Spinatpulver, also getrocknetem Spinat, der Eisengehalt 35 mg beträgt. In frischem Spinat, wie er üblicherweise verzehrt wird, beträgt der Eisengehalt jedoch nur etwa 3 bis 4 mg. In den folgenden Jahrzehnten blieb in der Bevölkerung die Annahme bestehen, dass Spinat sehr viel Eisen enthält und damit ein außergewöhnlich gesundes Lebensmittel sei. Generationen von Müttern und Vätern brachten dies ihren Kindern bei, die nicht immer davon begeistert waren und sind. Tatsächlich findet sich Spinat in der Liste der pflanzlichen Nahrungsmittel bezüglich des Eisengehaltes im Mittelfeld. Wirklich viel Eisen enthalten zum Beispiel Weizenkleie mit 16 mg, Kürbiskerne mit 12,1 mg, Sesam mit 10 mg sowie Hülsenfrüchte mit bis zu 8,6 gr. Der absolute Spitzenreiter bezüglich Eisen findet sich jedoch nicht in pflanzlicher, sondern in tierischer Kost. Die Leber von Schweinen, Hühnern oder Rindern enthält bis zu 30 mg Eisen auf 100 Gramm.

Warum Spinat im 20. Jahrhundert so stark propagiert wurde, hängt eng mit der Nahrungsmittelsituation zusammen. Zwei Weltkriege und deren Nachkriegszeit sowie globale Wirtschaftskrisen sorgten immer wieder für eine Unterversorgung der Bevölkerung mit eisenhaltigen Lebensmitteln, vor allem Fleisch. In der Folge traten vermehrt Erkrankungen wie etwa Blutarmut auf. Spinat galt aufgrund der irrtümlichen Annahme eines hohen Eisengehalts als relativ leicht verfügbares Lebensmittel, das den Eisenmangel ausgleichen könnte.

Wie gesund ist denn nun Spinat?

Ironischerweise enthält Spinat in wirklich hoher Konzentration einen Stoff, der im menschlichen Körper die Eisenaufnahme erschwert. Es handelt sich um die Oxalsäure, die mit etwa 970 mg pro 100 Gramm Spinat angegeben ist. Tatsächlich ist nach heutigem Wissensstand gerade bei Eisenmangel davon abzuraten, Spinat zu essen. Allerdings ist etwa die Anämie, die Blutarmut, in den modernen Industrieländern aufgrund der sehr guten Versorgung mit Fleisch kaum ein Thema, weshalb Spinat von gesunden Menschen jeden Alters problemlos verzehrt werden kann. Lediglich die immer größer werdende Gruppe der Veganer und Vegetarier muss sich mit dieser Problematik auseinandersetzen, da die Eisenversorgung nur über pflanzliche Lebensmittel meist nicht ausreichend ist.

Davon abgesehen glänzt Spinat durch seine Vielfalt, denn Spinat kann sowohl gekocht als auch roh verzehrt werden. Im Vergleich mit anderen Gemüse-Sorten, die diese Vorzüge bei ähnlicher Beschaffenheit besitzen, zeigt sich, dass Spinat weit mehr unterschiedliche und gesunde Inhaltsstoffe besitzt. So etwa im Vergleich mit Weißkohl. Während der Kohl lediglich Kalium, Calcium, Magnesium und Vitamin C aufweisen kann, enthält Spinat dazu noch Ballaststoffe, Carotinoide, die Vitamine B1 / B2 / B3 / B6 und E, dazu noch Kupfer, Phosphor, Zink und natürlich Eisen.

Spinat essen lohnt sich

Vor allem frischer Blattspinat aus der Freilandzucht ist als roher Salat sehr zu empfehlen. Wenn er denn erhitzt werden muss, sollte ein kurzes Blanchieren ausreichen. Die heute oft gewählte Form des tief gefrorenen Rahmspinats aus der Kühltheke des Supermarktes lässt von der Reichhaltigkeit der Inhaltsstoffe kaum noch etwas übrig.

Dass Spinat aufgrund seines Eisengehalts dem Seemann Popey seine „Schlagkräftigkeit“ verlieh, ist eine fälschliche Annahme. Trotzdem kann Spinat das Muskelwachstum fördern. Das liegt aber nicht am Eisen, sondern am Nitrat. Spinat nimmt aus dem Boden während der Zucht relativ viel Nitrat auf. Wissenschaftler des Stockholmers Karolinska-Institut haben in einer Studie mit Mäusen nachgewiesen, das Nitrat im Spinat das Wachstum der schnellen Muskelfasern, den Fast-Twitch-Fasern, fördert. Das sind genau die Muskeln, die ein Matrose braucht, wenn es darum geht, mal schnell einen Sachverhalt mittels seiner Fäuste zu klären.

Februar 2019




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