Sich einwickeln lassen - dass kann gesund sein

Wer heute die Begriffe und Adjektive Wickel, wickeln und einwickeln hört oder verwendet, bezieht dies entweder auf Kleinkinder, deren Windeln zu wechseln sind, oder Personen, die in etwas hineingezogen werden, das ihnen meist nicht zum Vorteil gereicht.

Wickel in der Naturheilkunde sind jedoch Anwendungen, die uns vermutlich schon so lange begleiten, wie es den „denkenden“ Menschen überhaupt gibt. In den Anfängen der 1970er-Jahre wurden Wickel durch die Dominanz der Schulmedizin und deren Zwang zum Wirkstoffnachweis weitgehend aus der medizinischen Therapie und Pflege verdrängt. Es sollte über ein Jahrzehnt dauern, bis der Wickel wieder „entdeckt“ wurde, jedoch nicht im schulmedizinischen Bereich, sondern bei den alternativen Pflegemethoden. Seit dem Jahr 1999 besteht sogar die Möglichkeit der Ausbildung zur Fachfrau oder zum Fachmann für Wickelanwendungen.

Was sind Wickel denn im Detail

In der einfachsten Form kennen meist ältere Menschen den Wickel als kalten oder warmen Umschlag um die Waden oder den Hals, etwa für die Behandlung von Erkältungen oder zur Senkung von Fieber.

In der genaueren Definition wird zunächst zwischen Ganzkörperwickeln und Teilwickeln unterschieden, die aus mehreren Stofflagen bestehen, deren innerste Lagen mit einer Substanz getränkt oder belegt sind. Im Weiteren zählen ebenso Auflagen, Umschläge oder Kompressen zu den Wickeln, da sie oft mit einem Außentuch fixiert werden, das um die betreffenden Körperareale gewickelt ist und eine zusätzliche Funktion erfüllt, etwa die Wärmeisolation. Die Fachfrau / der Fachmann für Wickelanwendungen unterscheidet zusätzlich folgende Formen von Wickeln:

Die Entscheidung, welcher Wickel in welcher Form und in welchem Ausmaß zur Anwendung kommt, hängt vom jeweiligen therapeutischen Ansatz ab.

Zweck, Wirkung und Sinn von Wickeln

Bei der Anwendung von Wickeln und Auflagen sind es immer mehrere Faktoren die bezüglich der Wirkung zusammenspielen. Es einfach nur auf die Wechselwirkung von kalt zu warm oder einen bestimmten Inhaltsstoff zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen. Mitunter führen Skeptiker auch einen Placebo-Effekt an, wobei der Glaube an die Wirksamkeit einer Therapie wie auch eines Medikamentes ein wichtiger Bestandteil für die Mobilisierung der Selbstheilungskräfte ist. Das ist durch entsprechende Studien in der Schulmedizin wie in der Naturheilkunde hinlänglich bewiesen. Tatsächlich lassen sich die Wirkweisen von Wickeln nachvollziehen.

Physikalisch beeinflussen Kälte oder Wärme über die angeregte Durchblutung das Stoffwechselgeschehen in bestimmten Körperregionen auf positive Weise, wobei sich diese Wirkung über die spinalen Nervenbahnen auch auf innere Organe ausdehnt.

Über die Auslösung von Reizen in peripheren Bereichen werden Spannungen abgebaut, zum Beispiel Fußsohlenauflagen bei Kopfschmerzen.

Die Wirkstoffe verschiedener Zusätze wie ätherische Öle, Heilkräuter, Lehm oder Essenzen, kombinieren sich mit Wärme oder Kälte und beschleunigen deren Aufnahme.

Die Anwendung eines Wickels ist üblicherweise mit Ruhe oder Ausruhen verbunden, was für sich schon eine therapeutische Wirksamkeit besitzt, ganz im Gegensatz zu so mancher Pille, die quasi „by the way“ geschluckt wird.

Auch die Prozedur des Anlegens eines Wickels ist eine entspannende, auf Zuwendung, Nähe und Berührung basierende Wirkung, die ein Gefühl der Geborgenheit und des Vertrauens auslöst, was wiederum die Selbstheilungskräfte steigert.

Sich einwickeln lassen oder sich selbst einwickeln, das ist natürliche Medizin, die schon vor Hippokrates wirksam war und noch immer ist.

Mai 2019




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