Das Hirtentäschel – ein Unkraut, das es in sich hat

Im Mittelalter ein wichtiges Heilkraut, heute zu unrecht nur noch Unkraut, das Hirtentäschel.

Für den Gärtner ist die Pflanze meist eher ein Ärgernis. Sie schießt regelrecht ins Kraut und wächst bis zu 50 cm in die Höhe. Ihre Samen bleiben im Fell von Tieren wie in der Kleidung hängen. Sie verbreitet sich rasend schnell und kennt auch keine Winterpause. Der Samen des Hirtentäschels bleibt problemlos 30 Jahre lang keimfähig und oft ist sie auf brachliegendem Gelände eine der ersten Pflanzen, die sich dort ansiedelt. Es gibt sie weltweit in den gemäßigten Klimazonen. Nur sehr große Hitze und Kälte stoppen ihren Drang zur Ausdehnung.

Für den Botaniker ist das Hirtentäschel ein Faszinosum, das gerne untersucht wird. Die fast durchsichtige Samenhülle erlaubt die bequeme Beobachtung des embryonalen Wachstums und der Schleim im Inneren der Schale enthält Enzyme, die Eiweiß spalten können. Das bedeutet, dass zumindest die Samen in der Lage sind, tierisches Protein zu verwerten, kurz gesagt, sie ist auch ein Fleischfresser, eine Karnivorie. Vermutlich verdaut der Samen Kleinstlebewesen, die an dem Schleim kleben bleiben.

Hirtentäschel - Im Volksmund unter vielen Namen bekannt

Der Botaniker Friedrich Kasimir Medikus gab dem Hirtentäschel im Jahr 1792 seine bis heute gültige lateinische Bezeichnung, Capsella bursa-pastoris. In der Bevölkerung besitzt das Kraut je nach Region viele verschiedene Namen. So etwa Geldseckali im schweizerischen St. Gallen, Beutelschneiderkraut in der Eifel und in Sachsen, aber auch Blutkraut oder Blutwurz in Schlesien. Die auffällige Ausrichtung auf Sack, Beutel oder Tasche in der Namensgebung hängt mit der Form der Blüten zusammen, die aussehen wie die früher gebräuchlichen Geldbeutel oder die Taschen von Hirten. Die Bezeichnung Blutkraut oder Blutwurz hängt jedoch mit seiner medizinischen Wirkung zusammen.

Das Hirtentäschel ist seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde ein wirksames Mittel zur Stoppung von Blutungen. In der Pflanze findet sich ein Stoffgemisch aus Aminosäuren, Glucosinolate, Proteinen, Vitamin C, Mineralien und verschiedenen Flavonoiden, die zusammen die Blutgerinnung beeinflussen. Dies gilt sowohl für die äußere Anwendung an offenen Wunden wie auch für Monatsblutungen von Frauen. Die Ausleitung von Harnwegssteinen gehörte ebenso zum Wirkspektrum der Pflanze. Es soll auch gegen Rheuma und Gicht helfen, die Verdauung fördern, Ekzeme abheilen lassen und den Blutdruck regulieren. Hebammen nutzten früher das Hirtentäschel, um bei der Geburt die Wehen zu beschleunigen, weshalb Schwangere Tee-Zubereitungen oder Tinkturen aus der Pflanze meiden sollten, um nicht versehentlich eine Frühgeburt einzuleiten.

Anwendung heute

In der Naturheilkunde ist das Hirtentäschel sowohl als Tee wie auch als Tinktur für Frauen ein Mittel, um Menstruationsbeschwerden zu lindern.

Für die Zubereitung als Tee kann die ganze Pflanze genutzt werden, mit Ausnahme der Wurzel. Stengel, Blätter, Samen und Blüten zerkleinern und mit heißem Wasser übergießen, ein paar Minuten ziehen lassen, abseihen und fertig ist der Tee. Tinkturen aus dem Hirtentäschel sind etwas aufwendiger anzufertigen. Dazu wird ein Gefäß zu etwa einem Drittel mit zerkleinertem Hirtentäschel gefüllt und dann mit 40 % Schnaps bis oben hin vollgefüllt. Etwa drei Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen.

Übrigens ist das Hirtentäschel auch in der Küche nicht zu unterschätzen. Es besitzt dank der in ihm enthaltenen Senföle (Glucosinolate) eine pfefferige, scharfe Note und kann so Salaten und Soßen einen besonderen Geschmack verleihen.

Noch ein Hinweis. Wirklich starke Blutungen, gleich welcher Art, sollten von einem Arzt behandelt werden.

Juli 2019




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