Globuli – der Glaube hilft

Die Parteien in Deutschland streiten sich über Globuli, weiterhin Kostenerstattung ja oder nein?

In der Politik schwelt ein Streit darüber, ob Krankenkassen die Kosten für homöopathische Heilmittel oder Arzneien weiterhin erstatten dürfen. Seit dem Jahr 2012 ist es den Kassen freigestellt, ob sie die Kosten übernehmen oder nicht.

Für die Kritiker an der Homöopathie und damit an den winzigen Kügelchen, den Globuli, die den Wirkstoff in sich tragen sollen, besteht das Hauptargument darin, das es für die Wirksamkeit der Globuli keinen wissenschaftlich belegbaren Beweis gibt. Tatsächlich bestehen Globuli entweder nur aus Zucker oder auch aus Mehl. Für die Anhänger der Homöopathie geht es um die „Information“, die die Globuli in sich tragen. Eine Information, die durch extreme Verdünnung eines Wirkstoffes bei einer bestimmten Vorgehensweise entstanden ist. Kurz gesagt, an diese „Information“ kann geglaubt werden oder nicht, mit herkömmlichen Mitteln der Forschung lässt sie sich nicht nachweisen. Es bleibt also nur der Glaube, was in der Naturwissenschaft ein Ansatz ist, der keinen Bestand haben kann. Würden sich Physiker, Chemiker, Mediziner und Ingenieure auf den Glauben verlassen anstatt auf die Ergebnisse von Studien und Versuchsreihen, also auf Versuch und Irrtum, würde unsere bequeme, technisierte Welt aus den Fugen geraten.

Der Glaube ist eine starke Macht

Auf der anderen Seite gehört mehr als die Hälfte der gesamten Menschheit einer der vier großen Weltreligionen an. Dass Religion eine Glaubensfrage ist, darüber muss wohl kaum gestritten werden. Religion ist ebenso wie die Information im Globuli nicht nachweisbar und trotzdem ist sie ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Sie wird dabei zwar auch infrage gestellt, aber allein durch die Masse ihrer Anhänger im Konsens akzeptiert.

Werden Globuli von dieser Seite aus betrachtet, erhalten sie durchaus ihre Existenzberechtigung. Der Glaube an ein übergeordnetes Wesen und dessen Güte hilft vielen Menschen über schwere Zeiten hinweg und tatsächlich lässt sich in der Medizin der Glaube nachweisen. Unzählige Studien konnten belegen, dass ein Placebo-Medikament durchaus heilend wirken kann, nur dadurch, dass der oder die Patientin daran glaubt. Die Ärzte der Schulmedizin wissen um die enorme Wichtigkeit der Aktivierung der Selbstheilungskräfte, ohne die im Grunde kein Patient genesen kann. Vielleicht liegt die Problematik der Globuli in der Einfachheit der Dinge. Zucker- oder Mehlkügelchen konkurrieren erfolgreich gegen Medikamente, deren Entwicklung Millionen Euro verschlungen haben. Fraglos ein Dorn in den Augen der pharmazeutischen Hersteller.

Die Kassen erstatten homöopathische Anwendungen

Die meisten Kassen erstatten die Kosten für homöopathische Verfahren und Medikamente, jedoch nur, wenn diese von einem Schulmediziner mit Zusatzausbildung verordnet oder durchgeführt wird. Lediglich die IKK BB, die IKK Südwest und die TK erstatten auch dann, wenn ein ausgebildeter Heilpraktiker die Behandlung durchführt.

Alternative Heilverfahren haben ihren Platz in der Gesellschaft, weil sie funktionieren. Der Mensch ist ein viel zu komplexes Wesen, um es auf die Nüchternheit wissenschaftlich belegbarer Beweise zu reduzieren. Der Glaube, gepaart mit der Fähigkeit des abstrakten Denkens, hat aus dem Primaten, dem Steppenbewohner Afrikas, die Menschheit geformt. Darum besitzen Globuli ihre Existenzberechtigung und sollten auch weiterhin von den Kassen erstattet werden. Zumal sie innerhalb der Kassenleistungen gerade einmal 0,005 % an Kosten ausmachen. Da gibt es eine ganze Reihe anderer Medikamente, deren Preisgestaltung und Wirksamkeit viel eher als Fragwürdig bezeichnet werden darf und trotzdem von den Kassen bezahlt werden.

Oktober 2019




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