Die Quitte – der „andere“ Apfel

Die Quitte ist die Namensgeberin der Marmelade und eine gesunde Frucht, die etwas in Vergessenheit geraten ist.

In der heutigen Zeit, in der die Kühlschränke mit Convenience Food vollgestopft und Früchte züchterisch so perfekt gestaltet sein müssen, das Schälen und essen einfach zu erledigende Aufgaben darstellen, hat es eine Frucht wie die Quitte schwer. Dementsprechend ist sie auch in ihrer Erntezeit von Oktober bis November in keinem Supermarkt zu finden. Sie gehört zu den Exoten, die vielleicht in dem einen oder anderen kleinen türkischen Gemüseladen zu finden ist.

Die Sorten der Quitte, die es in den mittleren Breiten Europas schaffen, der winterlichen Kälte standzuhalten, sind wahrhaft robust. Sie sind so hart, dass sie sich kaum roh essen lassen und verarbeitet werden müssen. So auch im mittelalterlichen Portugal, wo sie unter anderem zu Quittenmus, zu „marmeleiro“ verarbeitet wurde. Daraus leitete sich das heute gebräuchliche Wort Marmelade ab. Für die Seefahrernation Portugal war die Quitte ein Glücksfall, ohne die lange Seefahrten mit noch mehr Opfern verbunden gewesen wären. Portugiesische Kapitäne, wie etwa Magellan, führten in Honig oder Wein eingelegte Quitten mit sich, deren hoher Vitamin-C-Gehalt die Mannschaft vor Skorbut schützte.

Die Apotheke der armen Leute

Noch bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts war die Quitte bezüglich der heilenden Wirkung die vielseitigste Frucht in den Gärten Europas. Sie wurde sogar als „der goldene Apfel der Jugend“ betitelt. Blätter, Blüten und die Quitte selbst geben eine Vielzahl an verschiedenen Stoffen ab, die sich wirksam gegen eine ganze Reihe von Krankheiten einsetzen lassen, so zum Beispiel bei:

Für die jeweilige Anwendung bestehen unterschiedliche Rezepte zur Zubereitung der Quitte, der Blüten oder der Blätter des Quittenstrauchs.

Der Schleim der Quittenkerne

Den Quittenkernen kommt in der Naturheilkunde eine ganz besondere Rolle zu. Sie enthalten recht große Mengen Pektin, das beim Auskochen der Kerne einen Schleim bildet, der sehr vielseitig einsetzbar ist. Dabei wird in vielen Berichten gerne über den hohen Anteil an Blausäure in den Kernen erzählt und das diese möglichst nicht roh zerkaut werden sollten. Mitunter hört sich das an, als wären die Kerne oder Samen mit den aus Spionagefilmen bekannten Blausäurekapseln vergleichbar. Das ist natürlich übertriebener Unsinn. Wer nicht gerade eine ganze Handvoll an Quittensamen zerkaut, sondern vielleicht nur ein paar, etwa bei der Behandlung von Halsschmerzen, bei denen das Lutschen der Kerne hilft, wird vielleicht etwas Magenschmerzen bekommen, mehr aber auch nicht. In praktisch jedem Samen von Kernobst ist ein winziger Anteil Blausäure enthalten, so auch in Äpfeln oder Birnen und eben auch der Quitte. Es braucht schon eine exorbitante Menge, um hier eine Vergiftung herbeizuführen.

Neben ihren vielen Funktionen in der Naturheilkunde überzeugt die Quitte auch in der Küche. Natürlich als Quitten-Marmelade, aber auch als Mus zu deftigen Beilagen, denn die Quitte überzeugt durch eine Vielzahl an Aromen, die weit über süß oder herb hinausgehen. Das macht die Quitte gerade in den Wintermonaten genauso zum Raumerfrischer. Hier sind es vor allem die Blätter, die, einfach in eine Schale gelegt, noch lange ihren frischen, sehr angenehmen Duft abgeben. In der griechischen Mythologie ist die Quitte die Frucht der Aphrodite, der Göttin der Schönheit und der Liebe, das sagt doch wohl alles?

November 2019




Weitere Meldungen in den Archiven:
Archiv 2011 bis 2012, Archiv 2013 bis 2018, Archiv ab 2019.

[ © Das Copyright liegt bei www.informationen-naturheilkunde.de | Informationen zur Naturheilkunde & Alternativmedizin]


Startseite | Impressum & Kontakt | Inhaltsverzeichnis
© www.informationen-naturheilkunde.de