Kleidung aus Schafwolle im Winter

Naturheilkunde, das ist auch Kleidung natürlicher Herkunft, wie etwa die gute alte Schafwolle.

Seit rund 10.000 Jahren gehört das Hausschaf zu den tierischen Begleitern der menschlichen Entwicklung. Zunächst als Fleisch- und Milchlieferant und vor ungefähr 5000 Jahren kam noch die Nutzung der Schafswolle hinzu.

Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhundert war Wolle „das“ Produkt für wärmende Kleidung in Deutschland. Pullover, Mützen, Strickjacken, Handschuhe, Socken, aber auch Hosen, Unterwäsche und neuerdings sogar Schuhe aus Schafwolle waren während der kalten Jahreszeit die Garanten dafür, dass keiner frieren musste. Dann verdrängten Baumwolle und synthetische Fasern die Schafwolle, da sie zum einen billiger herzustellen sind und zum anderen vielseitigere Eigenschaften besitzen. Trotzdem ist die Schafwolle ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor geblieben. Weltweit werden gut eine Milliarde Schafe gehalten und liefern jährlich 1,1 Millionen Tonnen Schafwolle. Haupterzeuger sind hierbei Australien, China und Neuseeland.

Schafwolle, ein Naturprodukt mit besonderen Eigenschaften

Wie die hochwertigen Pflanzen-Fasern von Seide oder Leinen besitzt das Wollgarn von Schafen die Fähigkeit, klimatisch zu reagieren. Schafwolle kann kühlen oder wärmen. Schafwolle nimmt bis zu 35 % des Eigengewichts an Feuchtigkeit auf, ohne sich feucht anzufühlen. Dazu ist sie elastisch, bindet unangenehme Gerüche (Schweiß), ist wasser- und schmutzabweisend und von Natur aus schwer entflammbar. Nicht umsonst ist heute einer der Haupteinsatzgebiete von Schafwolle die Dämmung von Fassaden.

Obwohl das Garn der Schafwolle damit eigentlich hervorragend als Kleidungsstoff oder für Bettwäsche geeignet ist, sind Haustextilien aus Schafwolle nur noch eine Randerscheinung und machen noch etwa 1,2 % der gesamten weltweiten Textilproduktion aus. Gegen Baumwolle und synthetische Fasern, die für wenige Cent pro Kilogramm hergestellt werden, kann die Schafwolle einfach nicht konkurrieren, obwohl deren Preis in den zurückliegenden Jahrzehnten selbst massiv eingebrochen ist. Inzwischen gibt es jedoch eine Trendwende, die dafür sorgt, dass die Schafwoll-Produktion zumindest nicht weiter sinkt. Zu verdanken ist dies vor allem Verbrauchen, die sich wieder mehr für Naturprodukte interessieren und damit auch bereit sind, etwas mehr Geld für Bekleidung oder Haustextilien auszugeben. Doch leider gibt es auch in der Schafwoll-Produktion einige dunkle Punkte, die in der jüngeren Vergangenheit zusätzlich dafür sorgten, dass Schafwolle beim Verbraucher in Misskredit geraten ist.

Mulesing, Qualprozedur für junge Schafe

Das Hausschaf, wie es heute zur Schafwoll-Produktion eingesetzt wird, ist das Endprodukt einer Jahrhunderte dauernden Zuchtwahl, bei der die Schafe ein immer dichteres Fell und immer mehr Hautfalten erhielten. Die Hautoberfläche wurde durch Zucht vergrößert. Im kühlen England, aus dem einige wichtige Zuchtrassen stammen, kein größeres Problem. In den heutigen Haupterzeugerländern Australien, China und Neuseeland jedoch schon. In diesen eher warmen Regionen bilden gerade die Hautfalten im Afterbereich der Schafe das ideale Nest für Fliegen, die dort ihre Eier ablegen und das Schaf infizieren. Die brutale Lösung der Züchter: den Jungtieren werden am After Teile der Haut herausgeschnitten. Bei der Vernarbung zieht sich die Haut zusammen und die Falten, die zuvor vom Mensch hinzugezüchtet wurden, verschwinden. Mitunter werden die noch nicht einmal ein halbes Jahr alten Lämmer dabei nicht betäubt. Das Ganze nennt sich Mulesing. In Neuseeland ist die Prozedur erst seit 2018 verboten, in Deutschland schon immer, in Australien jedoch setzt die Regierung auf die Freiwilligkeit der Schafzüchter und von China weiß es niemand. Es ist jedoch zu vermuten, dass es dort weiter betrieben wird.

Für den Verbraucher ist es deshalb wichtig, darauf zu achten, dass die erworbenen Produkte aus Schafwolle von Tieren in artgerechter Haltung stammen. Leider geben Labels wie „Bio“, „Öko“ oder „Natur“ darüber keine Auskunft. Es gibt in Deutschland eigentlich nur zwei Siegel, die dies gewährleisten. Zum einen „Naturtextil IVN Best“ und zum anderen „RWS“ (Responsible Wool Standard).

November 2019




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