
Immer mehr Frauen möchten heutzutage auf hormonelle Verhütung verzichten, aber dennoch ungeplante Schwangerschaften vermeiden. Kondome gelten zwar als sicheres Verhütungsmittel, doch vor allem in monogamen Partnerschaften werden sie oft als störend empfunden. Zudem können sie reißen oder verrutschen. Deshalb ziehen es viele Frauen vor, (zusätzlich) auf andere Weise zu verhüten. Mit Achtsamkeit für den eigenen Körper, Disziplin und dem richtigen Wissen kann eine Schwangerschaft auch auf natürlichem Wege verhütet werden – ganz ohne Nebenwirkungen.
Als die Verhütungspille in den 1960ern auf den Markt kam, war das ein regelrechter Befreiungsschlag für viele Frauen. Eine kleine Pille am Tag erlaubte die eigenständige und sehr zuverlässige Verhütung, was nicht nur für die sexuelle Selbstbestimmung wichtig war, sondern auch die Familienplanung vereinfachte. Indem der Zeitpunkt für eine Schwangerschaft leichter selbst gewählt werden konnte, war es Frauen zudem möglich, längere Ausbildungen zu absolvieren und bessere Berufe zu ergreifen. Die Erfindung der hormonellen Verhütung war somit auch gesellschaftlich ein wichtiger Schritt. Die Pille ist heute noch das zweitbeliebteste Verhütungsmittel in Deutschland, auf Platz 1 ist das Kondom, das einzige Verhütungsmittel, das auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Doch während 2015 44 % der unter 22-jährigen mit der Pille verhüteten, sind es heute nur noch 25 %. Generell entscheiden sich immer mehr Frauen gegen eine hormonelle Verhütung. Grund dafür ist vor allem ein gesteigertes Bewusstsein für mögliche Nebenwirkungen. Kopfschmerzen, Übelkeit, ein verändertes Hautbild und Stimmungsschwankungen gehören dabei zu den harmloseren Beispielen. Die Pille steigert darüber hinaus das Risiko für Blutgerinnsel und Thrombosen und kann bei langjähriger Einnahme das Brustkrebsrisiko leicht erhöhen. Kein Wunder, wenn Frauen sich diesen Gefahren lieber nicht aussetzen wollen und Alternativen suchen. In den letzten Jahren wurden die Kupferspirale und Kupferkette populär. Diese Verhütungsmittel sind ebenfalls sehr zuverlässig und kommen ganz ohne Hormone aus. Allerdings kann das Einsetzen extrem schmerzhaft sein und die Regelblutung durch sie länger, unregelmäßiger oder schmerzhafter ausfallen. Das ist also auch nicht für jede Frau eine akzeptable Lösung.
In der Naturheilkunde wird bei den vielfältigsten Beschwerden und Problemen auf die heilende Kraft von Kräutern und Co. vertraut. Da liegt es nahe, auch in Sachen Verhütung auf Pflanzen zu setzen. Mönchspfeffer soll beispielsweise auf Grund seiner Phytohormone die Regelblutung verschieben und den Zyklus verlängern können. Es finden weniger Eisprünge statt und somit auch weniger Gelegenheiten, schwanger zu werden. Den Samen der Wilden Möhre wird zugeschrieben, Schwangerschaften verhüten zu können. Angeblich hat schon Hippokrates in der griechischen Antike um ihre empfängnisverhütende sowie abtreibende Eigenschaft gewusst. Ein Löffel der Samen soll täglich als Tee aufgebrüht oder in zerstoßener oder gemahlener Form mit Wasser eingenommen werden, um die Einnistung des bereits befruchteten Eies in der Gebärmutterschleimhaut zu verhindern. Die Wilde Möhre kann jedoch leicht mit dem Gefleckten Schierling verwechselt werden, der hochgiftig ist. Deshalb sollte man sie niemals selbst sammeln! Obwohl in der Geschichte verschiedene Pflanzen zu Verhütungszwecken verwendet wurden, ist heutzutage dringend davon abzuraten. Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht gibt es keine ausreichenden Belege dafür, dass diese Methoden zuverlässig vor einer Schwangerschaft schützen. Hinzu kommt, dass einige der verwendeten Pflanzen erhebliche gesundheitliche Risiken bergen. So kann Polei-Minze beispielsweise schwere Leberschäden verursachen und in hohen Dosen sogar lebensbedrohlich sein.
Bei natürlicher Verhütung geht es nicht darum, dem Körper etwas zuzuführen, was die Empfängnis verhindert, sondern genau auf seine Signale zu achten und zu erkennen, wann er fruchtbar ist und wann nicht. Wenn man sich das bewusstmacht, ist auch klar, dass die sogenannte Kalendermethode nicht funktionieren kann. Dabei werden die fruchtbaren Tage ausschließlich anhand der Länge vergangener Menstruationszyklen berechnet. Das Problem besteht darin, dass der Eisprung keineswegs jeden Monat am gleichen Tag stattfindet. Stress, Erkrankungen, Reisen oder hormonelle Veränderungen können den Zyklus beeinflussen und den Zeitpunkt des Eisprungs verschieben. Selbst Frauen mit normalerweise regelmäßigen Zyklen können deshalb unerwartet früher oder später fruchtbar sein. Wer natürlich verhüten möchte, sollte besser die symptothermale Methode nutzen. Sie ist wissenschaftlich fundiert und hat bei richtiger Anwendung einen Pearl-Index von 0,4–1,8 und ist damit relativ sicher. Bei der symptothermalen Verhütung werden zwei voneinander unabhängige Körperzeichen genau beobachtet, die Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit erlauben: die Basaltemperatur und die Veränderungen des Zervixschleims. Teilweise wird zusätzlich die Beschaffenheit des Muttermundes beobachtet. Die Basaltemperatur wird jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen vaginal oder rektal gemessen. Nach dem Eisprung steigt sie aufgrund des Hormons Progesteron leicht an und bleibt bis zur nächsten Menstruation erhöht. Zum Messen verwendet man am besten ein spezielles Basalthermometer mit zwei Nachkommastellen. Parallel dazu wird der Zervixschleim beobachtet. In den Tagen vor dem Eisprung wird er klarer, feuchter und spinnbarer. Diese Veränderungen erleichtern Spermien das Überleben und zeigen an, dass die fruchtbare Phase begonnen hat. Mit der symptothermalen Methode lernen Frauen ihren Körper und Zyklus sehr gut kennen und können ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Monat genau bestimmen, um entweder sicher zu verhüten oder ihren Kinderwunsch zu planen. Um eine Schwangerschaft zu verhindern, muss während der fruchtbaren Tage entweder auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder zusätzlich mit einer Barrieremethode wie einem Kondom verhütet werden.
Natürliche Verhütung erfordert viel Disziplin und Aufmerksamkeit. Nicht jede Frau, die auf Hormone und Kupfer verzichten möchte, ist dauerhaft dazu bereit. Ist die Familienplanung abgeschlossen und sollen weitere Schwangerschaften zuverlässig verhindert werden, kann auch eine Vasektomie des Partners eine sinnvolle Option sein. Bei diesem kleinen ambulanten Eingriff werden die Samenleiter durchtrennt oder verschlossen, sodass keine Spermien mehr in die Samenflüssigkeit gelangen. Viele Männer machen sich im Vorfeld Gedanken darüber, wie schmerzhaft dies ist. Üblicherweise wird die Vasektomie unter örtlicher Betäubung durchgeführt und gilt als vergleichsweise kleiner Eingriff, der nicht schmerzt. Lediglich ein Dehnen oder Ziehen kann als unangenehm empfunden werden. Wer dennoch Angst vor der Vasektomie hat, kann auch eine kurze Narkose erhalten. Nach der Operation können zwar vorübergehend leichte Schmerzen oder Schwellungen auftreten, schwerwiegende Komplikationen sind jedoch selten. Wichtig ist zu wissen, dass die Vasektomie zunächst nicht sofort wirkt. Erst nachdem durch Kontrolluntersuchungen nachgewiesen wurde, dass sich keine Spermien mehr im Ejakulat befinden, gilt die Verhütung als zuverlässig und auf andere Mittel und Methoden kann verzichtet werden.
Wenn man ungeplante Schwangerschaften vermeiden möchte, muss man sich also nicht zwischen Enthaltsamkeit und unangenehmen oder sogar gefährlichen Nebenwirkungen entscheiden. Es gibt Methoden, mit denen man zuverlässig verhüten kann, ohne ständig Hormone zuführen oder sich etwas in die Gebärmutter einsetzen lassen zu müssen. Am natürlichsten ist die symptothermale Methode, bei der Frauen ihre Körpersignale genau beobachten. Unser Körper sagt uns, wann wir fruchtbar sind und wann nicht. Wir müssen nur lernen, ihn zu verstehen.
August 2026
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